Lymphozyten-Erkrankungen Übersicht

Erkrankungen in Lymphozyten Zusammenhang in unserem Blut:

Lymphozyten-Erkrankungen machen durch eine erhöhte oder erniedrigte Konzentration an Lymphozyten auf sich aufmerksam. Die Subgruppe der Leukozyten besitzt eine bedeutende Rolle bei der Immunabwehr.

Pathologische Erhöhungen und Erniedrigungen der Lymphozytenzahl finden verschiedene Ursachen. Ein Anstieg der Lymphozyten und der weißen Blutkörperchen im Blut deutet auf eine Entzündung beziehungsweise Infektion hin.

Erkrankungen-Werte-Blut

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Entstehung der Lymphozyten Erkrankungen

Durch

  • virale Tröpfchen-Infektionen,
  • Kontakt- und Schmier-Infektionen und
  • bakteriellen Infektionen (Typhus, Keuchhusten)

kommt es zu Lymphozyten-Erkrankungen, bei denen der Arzt eine erhöhte Lymphozyten-Zahl im Blut vorfindet (Lymphozytose). Eine Lymphozytopenie mit einer erniedrigten Zahl an Lymphozyten im Blut liegt bei diversen Autoimmun-Erkrankungen, als Arzneimittel-Wirkung von Zytostatika, bei bakteriellen Infektionen wie Tuberkulose oder beispielsweise beim Cushing-Syndrom vor.

Übersicht Lymphozyten-Erkrankungen

Erkrankungen mit erniedrigten Lymphozyten-Werten (Lymphozytopenie)

Bei folgenden Lymphozyten-Erkrankungen treten typischerweise erniedrigte Werte auf:

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Der systemische Lupus erythematodes bezeichnet eine autoimmunologisch ausgelöste systemische Erkrankung des Bindegewebes. SLE gehört zu den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises. Der Laborbefund zeigt unter anderem eine Erniedrigung der Leukozyten (unter 4000/µl), insbesondere der Lymphozyten (unter 1500/µl).

Tuberkulose (Tbc)

Zu den Lymphozyten-Erkrankungen gehört ebenfalls die Tbc. Das Blutbild ergibt besonders stark erniedrigte CD4-Zellen.

Haarzell-Leukämie

Die Haarzell-Leukämie zählt zu den niedrig malignen B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen. Ihren Namen trägt sie aufgrund der haarförmigen Zytoplasma-Fortsätze. Neben anderen Symptomen wie einer Thrombozytopenie mit verstärkter Blutungsneigung kommt es zu einer Leukopenie mit erhöhter Infekt-Anfälligkeit. Bei zehn bis 20 Prozent der Erkrankten führt die Krankheit zu einer Leukozytose. Bei der Mehrzahl der Patienten sind die Leukozyten-Zahlen im Sinne einer Leukozytopenie vermindert. Obwohl die Lymphozytopenie für diese Erkrankung typisch ist, befinden sich bei den meisten Betroffenen Haarzellen im peripheren Blut.

Osteomyelofibrose (Knochenmark-Fibrose)

Die Knochenmark-Fibrose (OMF) kennzeichnet eine Erkrankung der blutbildenden Stammzellen. Sie gilt als das seltenste und schwerste der philadelphiachromosom-negativen chronischen myeloproliferativen (vermehrt Knochenmark-Zellen bildenden) Syndrome. Die Osteomyelofibrose führt entweder zu einer Leukopenie oder zu einer Leukozytose. Zu den prognostischen Faktoren der Risiko-Abschätzung dient neben anderen die Leukozytenzahl.

AIDS

AIDS ist die häufigste Infektionskrankheit, die eine Lymphozytopenie bewirkt. Durch die Infektion mit HIV kommt es zu einer Zerstörung der CD4+-T-Zellen.

Protein-Mangel-Ernährung

Die Protein-Mangelernährung ist der häufigste Grund einer erworbenen Lymphozytopenie.

Masern

Masern sind eine durch das Masernvirus hervorgerufene Infektionskrankheit mit hoher Ansteckungs-Gefahr. Sie betrifft überwiegend Kinder. Bei Blut-Untersuchungen fällt eine erniedrigte Anzahl weißer Blutkörperchen auf (Leukopenie). Davon betroffen sind insbesondere die Lymphozyten (Lymphozytopenie) und die eosinophilen Granulozyten (Eosinopenie). Ebenso kommt zu einer vorübergehenden Thrombozytopenie (Verringerung der Blutplättchen).

Weitere Lymphozyten-Erkrankungen mit niedriger Lymphozytenzahl

  • diverse Krebsarten (Lymphome),
  • Morbus Cushing (eine Form des Hypercortisolismus),
  • Gelbfieber (durch Mücken übertragende lebensbedrohliche virale Infektionskrankheit),
  • nephrotisches Syndrom,
  • Zöliakie (chronische Verdauungs-Störung),
  • Morbus Whipple (intestinale Lipodystrophie),
  • aplastische Anämie (Panmyelopathie),
  • Hypersplenismus (Komplikation der Splenomegalie (Milzvergrößerung),
  • Myasthenia gravis (neurologische Erkrankung mit belastungs-abhängiger Muskelschwäche),
  • Urämie,
  • schwerer kombinierter Immundefekt (SCID),
  • CATCH22 (Di-Georges-Syndrom),
  • Zustand nach Bestrahlung,
  • Milzvergrößerung (Splenomegalie),
  • Zustand nach Entfernung der Lymphknoten.

 

Erkrankungen mit zu hohen Lymphozyten-Werten (Lymphozytose)

Akute lymphatische Leukämie

Die ALL ist die bei Kindern am häufigsten diagnostizierteste Leukämie-Erkrankung. Sie betrifft aber auch Erwachsene. Bei der akuten lymphatischen Leukämie kommt es aufgrund der Überproduktion lymphatischer Blasten, die sich im Blut, Knochenmark und lymphatischen Organen ausbreiten, zur Vermehrung der Leukozyten.

Prolymphozyten-Leukämie (PLL)

Die PLL ist sehr selten. Sie zählt zu den malignen Erkrankungen des lymphatischen Systems und zu den Non-Hodgkin-Lymphomen. Die hauptsächlich Männer über 60 Jahre betreffende Krankheit, ähnelt der chronischen lymphatischen Leukämie. Die Prolymphozyten-Leukämie ist jedoch aggressiver und von der Prognose her ungünstiger. Sie kennzeichnet eine extrem hohe Lymphozytenzahl im peripheren Blut (100.000/μl). Von diesen Lymphozyten sind deutlich mehr als 50 Prozent (oft über 90 Prozent) unreife Lymphozyten-Vorstufen, die Fachleute als Prolymphozyten bezeichnen.

Chronische lymphatische Leukämie

Die CLL zählt zu den niedrig malignen und leukämisch verlaufenden Lymphomen des B-Zell-Non-Hodgkin-Typs (B-NHL). Sie ist die weltweit häufigste Leukämieform. Die Altersleukämie betrifft überwiegend Personen über 50 Jahre. Die chronisch lymphatische Leukämie kennzeichnet ein vermehrtes Auftreten funktionsloser (immun-inkompetenter) Lymphozyten im Lymphsystem, Blutkreislauf und Knochenmark.

Mononukleose

Die Mononukleose ist bekannt als „Pfeiffersches Drüsenfieber“. Die Diagnose sichert der Nachweis von Epstein-Barr-Virus-Antikörpern. Die Leukozytenzahl erhöht sich auffällig oft auf 10.000 bis 25.000 pro Kubikmillimeter. 60 bis 80 Prozent davon sind mononukleäre (lymphoide) Zellen, von denen ein Teil atypische Lymphozyten darstellt.

Keuchhusten (Pertussis)

Die allgemein als Keuchhusten bezeichnete Pertussis ist eine durch das Bakterium Bordetella pertussis verursachte Lymphozyten-Erkrankung infektiöser Art mit hoher Ansteckungs-Gefahr. Die Krankheit mit stakkatoartigen Hustenstößen und zähem glasigem Schleim begleitet eine absolute Lymphozytose mit mehr als 20.000 Zellen.

Zytomegalie (Einschlusskörperchen-Krankheit, CMV-Infektion)

Die Zytomegalie ist eine in der Regel unbemerkt verlaufende Virusinfektion mit dem humanen Herpesvirus 5, die durch große Zellen in drüsigen Organen wie den Speicheldrüsen (Speicheldrüsenvirus-Krankheit) auffällt. Eine Therapie erfordert die Erkrankung von Schwangeren und immungeschwächten Personen. Typisch für die Zytomegalie ist eine Lymphozytose mit atypischen Lymphozyten.

Weitere Lymphozyten-Erkrankungen mit erhöhten Werten

  • Morbus Hodgkin (Lymphogranulomatose),
  • Lymphdrüsen-Krebsarten vom Non-Hodgkin-Typ,
  • Röteln (Rubeola),
  • Mumps (Parotitis epidemica),
  • virale Lungenentzündung (atypische Pneumonie),
  • Hepatitis A (Leberentzündung),
  • Syphilis (Lues),
  • Erkrankungen durch Varizella-Zoster-Virus,
  • Stresslymphozytose,
  • Guillain-Barré-Syndrom (entzündliche durch Infektion hervorgerufene Lähmung der Spinalnerven / Polyradikuloneuritis),
  • Postsplenektomie-Syndrom (OPSI-Syndrom),
  • Sarkoidose (Morbus Boeck),
  • Autoimmun-Erkrankungen,
  • Hyperthyreose (Schilddrüsen-Überfunktion),
  • Morbus Addison (Primäre Nebennieren-Insuffizienz durch Erkrankung der Nebennierenrinde),
  • Brucellose (Malta-Fieber),
  • Toxoplasmose,
  • Typhus abdominalis (Bauch-Typhus),
  • Mycosis fungoides (T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom, das hauptsächlich die Haut betrifft).

 

weiterführend:

http://www.msd-manual.de/msdmanual/htbin/msdmanual.pl?m=11-3-0

http://www.lymphozyten-info.de/lymphozyten-zu-niedrig

http://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/all/index_ger.html

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/medizinische_klinik/Abteilung_5/docs/patinfo/PatinfoALL.pdf

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